Anna Bütefisch

Vielleicht als Ergebnis von Prägung und Genetik habe ich früh meine Begeisterung für das Zeichnen entdeckt. Zu meiner Kindheit gehörte es auch, im Büro meines Vaters „Arbeit zu spielen“. Manchmal
alleine, oft zusammen mit dmeinen Geschwistern. Inspiration gab es hier reichlich: Papierkörbe aber auch Regale voller Comics. Wenn ich diese visuell ergänzte, gabe es nicht nur einmal Ärger. Natürlich gerieten diese langen Übungseinheiten nach und nach in den Hintergrund meines Interesses . Aber für gute Noten und Spaß im Kunstunterricht hat diese „solide Grundausbildung“ mehr als gereicht. So richtig intensiv ging es mit dem Skizzieren und Zeichnen paradoxer Weise erst während meines Studiums der Tiermedizin los. Schnell merkte ich die Vorteile, Übungen, Vorlesungen und Lernmaterial „zeichnerisch“ aufzuarbeiten. Tausenden Seiten Sketchnotes – am Anfang meist auf Papier und später immer mehr digital auf dem iPad – machten mir das Studieren einfacher und effizienter: ich konnte mir mehr, und das sogar schneller, merken; ich motivierte mich dadurch besser zum Lernen und konnte so manche tröge Vorlesungen durchstehen; selbst beim gemeinsamen Lernen, Hirnen und Forschen kamen wir „bildhaft“ schneller voran.

Über die Jahre hat sich dabei mein Visualisierungstil verändert. Er ist einfacher und vielseitiger geworden: weniger Kunst und ästhetischer Anpruch, dafür mehr Wirkung, mehr sketch4effects. Das passt zu der Erkenntnis, dass ein gutes Springpferd nicht höher, springt als nötig. oder wie Einstein es ausdrückte: „Man muß die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.“ Nach der Rückkehr aus dem Ausland, hatte ich und mein Vater, ich als Tierärtztin und er als Graphik-Designer nun berufliche Schnittpunkte. Bei sketch4effects im Bereich der Business– und Lehrgrafiken, bei sketch4effects in Workshops und Veranstaltungen, bei sketch4effects in Videos und nun aktuell bei sketch4effects in Buchform. So schließt sich der Kreis. Statt wie vor über zwei Jahrzehnten meist auf dem Fußboden mit Spaß „Arbeit zu spielen“ arbeiten wir nun produktiv mit Spaß zusammen.

Visualisieren schlägt nicht nur eine Brücke zwischen Menschen und Ansichten, sondern auch zwischem wissenschaftlichem logischen Denken und intuitiver empathischer Kommunikation. Alles Dinge, die viele Bereiche in unserer Gesellschaft bereichert!

Sigi Bütefisch

Noch in der analogen Zeit zwischen 1980 und 1986 studierte ich Dipl. Grafik-Design an der Kunstakademie Stuttgart. Es war eine Zeit, in der noch vieles „handgemacht“ werden musste: Entwürfe wurden von Hand skizziert, Schriften gezeichnet, Reinzeichnungen noch mit Lineal und Feder getuscht. Mein Studium finan­zierte ich neben dem Messebau mit fotorealistischen Illustrationen für Pflanzen- und Tierbücher sowie Trickfilmzeichnungen. Stifte und Papier waren damals unverzichtbare Werkzeuge eines jeden Grafikers.

Als ich mich nach dem Studium selbstständig machte, ging es mehr und mehr um Konzept, Gestaltung und Layout. Und da wir als Büro eines der ersten waren, die mit einem MAC-Computer Projekte realisierten, wurden Tastatur und Maus wichtiger. Für die Jüngeren: Der Computerbildschirm war schwarz-weiß, nur 9 Zoll groß und mit dickem schwarzen Rahmen, der die Anzeige nochmals verkleinerte; eine zusätzliche 4 MB Festplatte kostete noch über 4.000 und ein Laserdrucker für schwarz-weiß Drucke 16.000 D-Mark. Natürlich blieben Stifte, Pinsel und Farbe nie ganz in der Schublade: Entwürfe wurden weiterhin von Hand geskribbelt und mit Illustrationen verdiente ich weiter Geld.
Visuelle Kommunikation blieb nicht alles: Neben Konzeption, Text und Gebrauchsgrafik interessierten mich zunehmend die psychologischen Hintergründe der Kommunikation und mensch­lichen Wahrnehmung. Denn Gestaltung ist wichtig, aber nur ein Wirkfaktor, wenn es darum geht, Menschen, Gedanken und Dinge in Bewegung zu bringen. Aus- und Fortbildungen im Bereich Psychologie, Coaching und Training erweiterten meinen „Kommunikations-Werkzeugkasten“. Das prägt unser Denken und Arbeiten: egal, ob wir mit unserem Büro heute Unternehmen und Organisationen betreuen oder ich als Dozent und Vortragender tätig bin.

Über den Tellerrand der Gestaltung zu klettern, hängt mit meinem Bedürfnis zusammen, Neues zu lernen und erkunden. So hätte ich fast einen anderen Berufsweg eingeschlagen: Zum Zeitpunkt meiner Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie war ich schon für ein Astrophysikstudium eingeschrieben.