«Das Photo gibt die Gegenstände in anderer Wiese wieder als das gemalte Bild, weil der Photoapparat die Gegenstände nicht erkennt, sondern sieht. Beim ‚Freihandzeichnen‘ wird der Gegenstand in seinen Teilen, Maßen, Proportionen, geometrischen Figuren erkannt. Diese Bestandteile werden als Chiffren notiert und sind zusammenhängend ablesbar. Das ist eine Abstraktion, die die Realität deformiert und eine spezifische Stilisierung fördert. Wenn man mit Hilfe eines Projektors Konturen nachzieht, umgeht man diesen umständlichen Erkenntnisprozeß. Man erkennt nicht mehr, sondern sieht und macht (informell), was man nicht erkannt hat. Und wenn man nicht weiß, was man macht, weiß man auch nicht, was man verändern, oder deformieren sollte.»

Quellenangabe: Hans-Ulrich Obrist: Gerhard Richter, Text, Schriften und Interviews, erschienen im Insel Verlag, 1996, Seite 29

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