Vom Handel (aus „Der Prophet“ von Khalil Gibran)

„Und ein Kaufmann sagte: Sprich uns vom Handel. Und er antwortete und sagte: Die Erde gibt euch ihre Frucht, und es wird euch an nichts mangeln, wenn ihr nur wisst, wie ihr eure Hände füllt. Im Austausch der Gaben der Erde werdet ihr Fülle finden und gesättigt sein.

Doch wenn der Austausch nicht in Liebe und freundlicher Gerechtigkeit stattfindet, wird er bloß einige zur Gier und andere zum Hunger führen. Wenn ihr Arbeiter des Meeres, der Felder und der Weinberge auf dem Markt die Weber, Töpfer und Gewürzhändler trefft, dann beschwört den höchsten Geist der Erde, in eure Mitte zu kommen, und die Waagen und die Rechnungen zu segnen, die Wert gegen Wert abwägen.

Und duldet bei euren Tauschgeschäften nicht die mit leeren Händen, die ihre Worte gegen eure Arbeit verkaufen möchten. Solchen Männern solltet ihr sagen: „Kommt mit uns aufs Feld oder fahrt mit unseren Brüdern zur See und werft eure Netze aus, denn das Land und das Meer werden sich euch gegenüber genauso freigebig zeigen wie uns.“ Und wenn die Sänger und Tänzer und die Flötenspieler kommen, nehmt auch von ihren Gaben. Denn auch sie sind Sammler von Früchten und Weihrauch, und was sie bringen, obwohl aus Träumen geschaffen, ist Kleidung und Nahrung für eure Seele.

Und bevor ihr den Marktplatz verlasst, seht zu, dass niemand mit leeren Händen seines Weges gegangen ist. Denn der höchste Geist der Erde wird nicht friedlich auf dem Wind schlafen, bis die Bedürfnisse auch des Geringsten unter euch befriedigt sind.“

Fazit:

Erstens: Die Qualität eines Geschäftes misst sich daran, ob menschliche Bedürfnisse befriedigt werden – und dass alle profitieren.
Zweitens: Leistung misst sich am Handeln, nicht am Reden über das Handeln.

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